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20 Mart 2011 Pazar

Eltern und Kinder haben ein Recht auf Krippenplätze

(nth) Der Anspruch auf einen Krippenplatz darf von den Eltern nicht einfach aufgegeben werden, nur weil das im Moment höhere Investitionen der Gemeinden erfordert. Die Kommunen schlagen nämlich wegen der leeren Kassen Alarm. Ab 2013 gilt zwar per Gesetz der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, aber es wird befürchtet, dass das Geld für den Ausbau der Betreuungseinrichtungen nicht reichen wird.

Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass mehr als die kalkulierten 35 Prozent der Eltern ihre Kleinen in Krippen oder bei Tagesmüttern unterbringen wollen. Das zumindest ist das Ergebnis einer neuen Umfrage bei jungen Frauen, die allerdings selbst noch kinderlos sind. Aber auch Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehr Mütter und Väter auf ihren Anspruch pochen werden. Kann eine Gemeinde ihnen dann keine Krippenplätze anbieten, könnten die Eltern für ihren Krippenplatz klagen.

Den Kommunen ist bewusst, dass sie diese Klagen verlieren würden. Aber anstatt nun verstärkt mit dem Ausbau zu beginnen, wählen die kommunalen Spitzenverbände erst einmal den Weg des geringeren Widerstandes. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, fordert den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz einzuschränken.

Das aber würde bedeuten, die Kinderbetreuung wieder in die Hände des Bürgermeisters und Rates der Gemeinde mit deren entsprechender Finanzkraft zu legen. Wenn dort für die jeweilige Gemeinde Verantwortliche mit der Ansicht sitzen, dass Mütter ihre Kinder besser selbst betreuen sollten, oder die Kassen leer sind, werden die zusätzlichen Krippenplätze gestrichen. Das alles wäre ein Riesenrückschritt in eine Zeit, die es gar nicht mehr gibt.

Zwar wird sich immer noch darum gestritten, ob das Hausmütterchen oder das Karriereweib die schlechtere Mutter ist, aber die Streitgespräche sind längst nicht mehr so erhitzt und so unversöhnlich wie noch vor einigen Jahren. Die Stimmungslage hat sich verändert: Arbeitende Mütter, auch mit kleineren Kindern, sind selbstverständlich geworden. Das von der CSU erkämpfte Betreuungsgeld ist das eindeutigste Zeichen dafür, dass jede Frau (und mittlerweile auch jeder Mann) es sich heute gut überlegen muss, ob und wenn ja, für wie lange sie aus dem Beruf aussteigen kann, um ihre Kinder zu betreuen.

Nach der Änderung des Unterhaltsrechts ist der Versorger der Familie im Falle eines Scheiterns der Ehe nur noch sehr kurz und eingeschränkt unterhaltspflichtig. Es wird immer schwieriger, je länger die Frau (meistens ist es sie) aus dem Beruf ausgestiegen ist, wieder eine angemessene Arbeit zu finden. Somit haben nicht nur emanzipierte Frauen, sondern auch die Politik Fakten geschaffen, die ein Recht auf Kindergarten- und Krippenplätze unverzichtbar machen.

Es geht aber nicht nur um die Mütter. Man darf auch all die schönen Konzepte der frühkindlichen Bildung nicht vergessen, die nach dem „Pisa-Desaster“ gerne genannt, aber ungern finanziert werden. Die Erkenntnis, dass es vielen Kindern nicht nur aus Ausländer- und benachteiligten deutschen Familien gut tut, wenn sie frühzeitig mit anderen Kindern zusammen kommen und gefördert werden, hat sich durchgesetzt. Eine Chance auf Erfolg in der Schule wird einem Teil der Kinder verbaut, wenn sie nicht lange vor dem sechsten Lebensjahr anderswo als in der Familie gefordert und unterstützt werden.

Durchzusetzen, den Rechtsanspruch einzuschränken, wäre daher ein alarmierendes Zeichen. Genau so fatal wäre es aber auch, nicht die realistischen Zahlen zu ermitteln und dementsprechend zu investieren, wie es die Kommunen jetzt fordern. Wie viele Krippen- und Tagesmütterplätze werden wirklich wo gebraucht? Holt der Westen auf gegenüber dem Osten, in dem die Zahl der Krippenplätze seit DDR-Zeiten deutlich höher ist? Wo liegen die regionalen Unterschiede?

Es geht am Ende schließlich um ganz kleine Kinder und nicht um Waren, die man zur Not auch ein wenig höher und enger stapeln kann. Aufbewahrungsstätten, in denen die Erzieher keine Zeit, keine Kompetenz und keine Kraft für ein anregendes Programm und liebevolle Fürsorge haben, sind selbst für Politiker nicht erstrebenswert. Ein angemessener Betreuungsschlüssel in den Krippen und eine gute Ausbildung der Erzieher und Tagesmütter müssen deshalb immer mit bedacht werden - und in der Rechnung mit kalkuliert.

Wenn die Kommunen diese Aufgabe aus eigener Kraft nicht stemmen können, müssen der Bund und die Länder ihnen, abgesehen von allen Finanznöten, unter die Arme greifen. Kinder dulden schließlich keinen Aufschub!

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